„Geh nicht mit nassen Haaren raus, sonst bekommst du eine Erkältung!“ Diesen Satz haben viele von Mutter oder Oma gehört. Klingt logisch, schließlich schnieft im Winter fast jeder. Doch was ist an der Volksweisheit dran? Die kurze Antwort: Nasse Haare allein machen nicht krank, ganz falsch ist die Warnung aber auch nicht.
Auslöser einer Erkältung sind Viren
Eine Erkältung ist eine Virusinfektion der oberen Atemwege. Es gibt mehr als 200 verschiedene Erkältungsviren, am häufigsten sind Rhinoviren. Sie werden über Tröpfchen beim Husten und Niesen übertragen oder über die Hände: Wer eine Türklinke oder einen Haltegriff berührt und sich dann ins Gesicht fasst, kann sich anstecken.
Nach Angaben von gesundheitsinformation.de, dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), erkälten sich Erwachsene im Schnitt zwei- bis viermal im Jahr, Kinder sechs- bis achtmal, vor allem in der kalten Jahreszeit. Meist klingt eine Erkältung nach ein bis zwei Wochen ab, Husten kann länger dauern. Ohne Viren gibt es also keine Erkältung, egal wie nass die Haare sind.
Nasse Haare und Erkältung: Was Kälte trotzdem ausmacht
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Warnung dennoch nicht. Wenn Wasser auf der Kopfhaut verdunstet, kühlt das den Körper ab. Fachleute vermuten, dass sich dabei auch die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut verengen. Dann gelangen weniger Abwehrzellen dorthin, und Viren, die schon in der Nase sitzen, haben leichteres Spiel.
Dafür gibt es Hinweise aus Studien. Am Common Cold Centre der Universität Cardiff teilten Forschende 2005 rund 180 Freiwillige in zwei Gruppen: Die einen stellten ihre Füße 20 Minuten lang in kaltes Wasser, die anderen in eine leere Schüssel. In den vier bis fünf Tagen danach meldeten sich aus der Kaltwassergruppe deutlich mehr Menschen mit Erkältungsbeschwerden, 13 gegenüber 5 in der Vergleichsgruppe. Forschende der Yale-Universität zeigten 2015 an Atemwegszellen von Mäusen, dass sich Rhinoviren bei etwas niedrigerer Temperatur besser vermehren, weil die Abwehr dort schwächer arbeitet.
Beide Untersuchungen sind klein beziehungsweise nicht direkt auf Menschen übertragbar. Sie deuten aber darauf hin: Kälte kann eine Infektion begünstigen, wenn die Viren bereits da sind.
Was am Mythos nicht stimmt
Manchmal heißt es, kurze Kälte stärke das Immunsystem oder nasse Haare böten Pilzen und Bakterien einen Nährboden. Belege dafür, dass man sich so vor Erkältungen schützt oder durch kurzes Nasssein der Haare andere Infektionen bekommt, gibt es nicht. Wer bei Minusgraden länger mit nassem Kopf draußen ist, friert vor allem, und das ist unangenehm genug.
So beugen Sie Erkältungen vor
- Haare vor dem Rausgehen föhnen oder zumindest eine Mütze aufsetzen, besonders bei Kälte und Wind.
- Warm anziehen und kalte, nasse Füße vermeiden.
- Regelmäßig und gründlich die Hände waschen, etwa 20 bis 30 Sekunden mit Seife.
- In die Armbeuge husten und niesen, benutzte Taschentücher gleich entsorgen.
- Abstand zu Erkälteten halten und keine Gläser teilen.
- Ausreichend schlafen, sich bewegen und ausgewogen essen.
Gegen Erkältungen gibt es keine Impfung, gegen die echte Grippe aber schon. Wer sie bekommen sollte und wo man sich impfen lassen kann, steht in unserem Beitrag Grippeimpfung: Wer sich jetzt impfen lassen sollte.
Wann sollte man zum Arzt?
Eine gewöhnliche Erkältung heilt meist von selbst. Ärztlichen Rat sollte man suchen bei hohem Fieber, starken oder sich verschlimmernden Beschwerden, Brustschmerzen oder Atemnot. Das gilt besonders für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Außerhalb der Sprechzeiten vermittelt der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 die nächste Bereitschaftspraxis, im Notfall gilt die 112.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Kann ich mich durch nasse Haare erkälten?
Nicht direkt. Ohne Erkältungsviren gibt es keine Erkältung. Starke Abkühlung kann es Viren, die schon in der Nase sind, aber möglicherweise leichter machen.
Warum erkälten sich so viele Menschen im Winter?
Im Winter halten sich Menschen mehr in geschlossenen Räumen auf, wo sich Viren leichter verbreiten. Hinzu kommt, dass trockene Heizungsluft und Kälte die Schleimhäute beanspruchen.
Hilft eine Mütze gegen Erkältung?
Eine Mütze schützt vor Auskühlen und ist bei nassen Haaren sinnvoll. Vor Ansteckung schützen aber vor allem Händewaschen und Abstand zu Erkrankten.
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